Mücken sind mir eigentlich ziemlich egal. Ich lebe ja schließlich in einer Großstadt und nicht in einem Sumpfgebiet. Und das bisschen Blut – wenn sich das Tier schon die Mühe macht, auf Höhe des 11. Stocks rumzuschwirren, hat es sich die Stärkung verdient. Ja, Mücken sind mir ziemlich egal. Außer: Nachts.
„Ssssssssssssssssssssssssssssssss“. DAS geht gar nicht. Man liegt gemütlich im Bett, zählt Schäfchen: 28, 29, „Sssssssssssssssssssssssssssssssss“. Aufspringen, Licht an, Brille suchen. Irgendwo muss sie doch sein. Ist sie aber nicht. Nach 15 Minuten erfolgloser Suche gibt man auf. Neue Schafherde. 14, 15, „Sssssssssssssssssssssssssssssssssss“. ARGH! Licht, Brille, Suchen. Nichts. Wie vom Erdboden verschluckt. Müde, naja, vielleicht schafft man es ja, einzuschlafen, bevor sie wiederkommt. „Ssssssssssssssssssssssssssss.“ Hier kommt nun der Moment wo einen das Jagdfieber packt. Man streift stundenlang mit der Fliegenklatsche in der Hand durch das Zimmer, versucht kleine Lichtkegel zu projizieren um das Biest anzulocken, naja, all das eben.
Gestern war ich auch wieder an diesem Punkt. „Sssssssssssssssssssssssssssssss“. Frustriert durchstöberte ich das Internet nach einem wirksamen Mittel. „Katzenminze“, stand da, „Katzenminze wirkt ausgezeichnet gegen Mücken, auch als ätherisches Öl.“ Prima, dachte ich mir, davon habe ich ja noch ein ganzes Fläschchen. War übrig geblieben von einem ominösen Spielzeug aus dem Baumarkt, das weder mit noch ohne Tropfen bei meiner Miez ankam. „Einfach ein paar Tropfen auf das Kopfkissen und Sie haben Ruhe vor Mücken.“ Klang fantastisch! Ein wenig „Kitty minzie“ (sic!) hier und da und schon konnte ich mich entspannt in mein Bett kuscheln. Hach, endlich. Schaf 32, 33, 3… „Sssssssssssssssssssssssssssssssss“. NEIN!
Naja, wäre ja auch zu schön gewesen. Never trust the Net. Frustriert griff ich mir meinen Kater und erklärte ihm in einem 4-Augen-Gespräch eindringlich, dass auch Nachts das Mücken-Fangen zu seinem Deal als Haustier gehört und er nicht einfach faul rumliegen kann, während das kleine Stechvieh mich traktiert. Noch während ich versuchte, ihm die Dringlichkeit der Lage zu erläutern, fing er plötzlich an zu schnuppern – nur um sich Sekunden später schwungvoll auf mein Kopfkissen zu werfen und sich mit sehr seltsamen gurgelnden Geräuschen darauf herumzuwälzen. Was zur Hölle…? Der Kater maunzte und gluckste und schnurrte, rollte sich abwechselnd auf meinem Kissen herum oder leckte es sorgsam ab. Versuchte ich, den dicken Brocken weg zu ziehen, krallte er sich mit aller Kraft fest. Kitty minzie. Offenbar wie Whisky, wird erst gut abgelagert interessant.
Nun, meine Hoffnung, das Tier würde sich nach ein paar Minuten beruhigen, blieb unerfüllt. Statt einer leise summenden Mücke hatte ich nun einen wilden Kater, mit dem ich den Rest der Nacht um mein Kopfkissen kämpfte. Super Sache. Ach ja, die Mücke ist übrigens nicht nochmal aufgetaucht. Also – hat es ja eigentlich doch funktioniert. :)