Schon als ich noch klitzeklein war…
… habe ich alle Wände, Türen, Türpfosten, Tapeten, Buchseiten, Zeitungsränder, Klopapierhalter und so endlos vieles mehr mit den drei magischen Buchstaben bekritzelt:
M U H !
Der eigentliche Auslöser des Ganzen liegt ziemlich im Dunklen, ich kann mich aber noch schemenhaft an ein Buch über die Entwicklung der Kuhhaltung in der DDR in den 50er Jahren erinnern, welches ich in Ermangelung andere Lektüre irgendwann mal heimlich auf dem Klo gelesen hatte.
Diese Kuh-Manie war natürlich sehr zur Freude meiner Eltern, die heute noch davon profitieren, diese Geschichten jedem Bekannten in allen erdenklichen Auschmückungsformen auf die Nase zu binden. Wenn Sie die Geschichte wenigstens ein einziges Mal so erzählen könnten, dass ich gut dabei wegkomme, als Kuh-van-Gogh oder Kuh-Picasso – aber nein, ich werde natürlich als der sinnloses Zeug kritzelnde kleine Schmierfink hingestellt. Dabei war das alles…
… der Beginn einer großen Leidenschaft…
… nur das ahnte damals noch keiner. Nichtmal ich! Und das will schon was heißen, denn ich ahne ne ganze Menge wenn der Tag lang ist.
Irgendwann reichte mir die simple alphanumerische Darstellung meiner innersten Gefühle allerdings nicht mehr, durch eine glücklich Fügung (von glücklichen Kühen?) entdeckte ich bei meiner Oma ein hornaltes halbzerfetztes Buch: „Zeichnen leicht gemacht“. Hier wurde selbst für mich, den künstlerisch völlig unbegabten Möchtegern-Vulkanier der Computer mehr liebt als seine Mitmenschen, das Malen eines stilisierten Kuhkopfes verständlich dargelegt. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitung und allsowas. Faszinierend!
Nun kritzelte ich also neben „Muh!“ in allen Formen auch noch diese Kuhnischel überallhin. Leider half das aber nicht gegen…
… das zunehmende Älterwerden…
und so wichtige Ereignisse wie ein Studium anfangen und doch nie beenden, eine Familie gründen und wieder auflösen, einen Kuh-lturverein leiten und – nein, stopp, den gibt es noch. Andererseits half das Älterwerden auch nicht gegen den Kuhfimmel, den einige selbsternannte Möchtegern-Freuds mit den Worten kommentierten:
DU BIST DOCH TOTAL KUHFIXIERT!
Ja, das ist es wohl. Obwohl es anfangs gut aussah. All diese Dinge lenkten mich von meiner Kuhsucht ab. Ich bekritzelte keine Buchränder mehr, meine im Schweiße meines Angesichts selbst angebrachten Tapeten schon gar nicht, und wie man diesen Kuhkopf zeichnet hatte ich fast schon vergessen, mein Leben war wieder ganz normal, ja geradezu un-KUH-l, als eines Tages die Versuchung in Form eines simplen Farbeimers in der Hand meiner Schwester an mich heranschlich und ich erkennen musste …
… es gab kein Entrinnen!
Eigentlich wollten wir nur die Bürowand neu streichen, als sie die folgenschwere Frage stellte: „Was hältst du davon, wenn wir die Wand mit Kuhmuster versehen?“ K… da war doch noch was… Ku… irgendetwas längst vergessenes … Kuh … es drängte ans düstere Licht des Büros auf dem Dachboden …
KUH!!!
Ja, da war es wieder! Ohne dass ich etwas tun konnte war ich sofort Feuer und Flamme für diese Idee, beim malen der Kuhflecken fühlte ich mich großartig, die ganze jahrelang verdrängte KUH-lness überwältigte mich und ich hatte nicht den Hauch einer Chance, zu widerstehen.
Da ich inzwischen von 17jährigen Jungs gesiezt werde, was wohl ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass ich hornalt bin, glaube ich nicht nur, dass es zu spät ist, sich gegen das Kuhfieber zur Wehr zu setzen, nein meine über all die Jahre angesammelte Weisheit macht mich auch glauben, dass es völlig falsch wäre, dem inneren Ruf der Kuh zu widerstehen.
Und so wohne ich heute zwischen kuhfleckig angemalten Möbeln, schreibe diese Geschichte … und fühle mich rundum sau.. errr.. kuhwohl.
In diesem Sinne: MUT ZUM MUH!
(Original veröffentlicht 2007 oder noch früher auf kuh-mist.de)