Verwirrte Fluggeschosse

Posted by on 6. Dezember 2007

Ich wollte doch noch meine fette Beute von letztem Freitag präsentieren. Also Freitag der 30.11. Der FCC spielte daheim gegen FC Erzgebirge Aue (Vereinsfarbe LILA *schauder*) und das ausgefallene Subway to Sally-Konzert in Erfurt wurde nachgeholt. Da mein Schwesterlein Jusch die Vorband eh nicht sehen wollte, passte das zeitlich perfekt. Der blöde Virus, der mich am Vortag angefallen hatte, konnte mich nicht aufhalten. Ob man nun von der Erkältung, dem Jubeln beim Fußball oder dem Mitschreien auf’m Konzert heiser ist, spielt ja auch keine Rolle.

Also schön eingemummelt und ins Stadion getapst. Mein erstes Mal ganz allein! Ich hatte eine prima Aussicht von meinem Sitzplatz oben in Block J, da ich erfolgreich alle, die sich vor mich pflanzen wollten, verscheuchen konnte. Der FCC spielte in meiner Traum-Aufstellung: Ziege und Simak gemeinsam im Mittelfeld. Endlich mal! Brachte aber leider nicht viel, da die wenigen guten Pässe keine Abnehmer fanden. In der 8. Minute wurde ein Erzgebirgler im Strafraum fachgerecht gefällt und Schiri Gagelmann aus Bremen zeigte auf den Punkt. Kraus‘ putziges Gehüpfe machte die lila Kuh leider nicht so nervös wie geplant und wir lagen mal wieder mit 0:1 zurück, bevor die erste Viertelstunde um war. Oberdoppelriesenmist. Irgendwie kriegten die Veilchen nun ständig den Ball, selbst bei ner Gruppe aus 3 x weiß und 1 x lila fing ein Sachse die Kugel ab. Ich begann mich zu fragen, ob unsere Spieler vielleicht allesamt farbenblind waren, und wir nicht besser künftig in den geringelten Traditionstrikots spielen sollten, um uns von den Gegnern optisch abzuheben – gegen Nürnberg hat’s funktioniert. Andererseits spielen die „Raachermannel“ normalerweise auswärts in weiß – da konnte man ja die Hoffnung hegen, dass ein Auer aus Versehen mal einen weißen von uns anspielen würde…

In der Halbzeit gönnte ich mir eine verbrannte und kalte Bratwurst, was meine Laune nicht gerade verbesserte. Naja, think positive, es hat auch Vorteile wenn man in der Kälte seinen Fanschal um den Hals behalten kann, statt ihn euphorisch rumschwenken zu müssen.

In Halbzeit 2 agierte das Bergvolk etwas schläfriger, was immerhin den Eindruck vortäuschte, als wäre Jena nun aktiver. Zeitweise glich das Spiel einem Eishockeyturnier – wildes Schlittern, wie schon die letzten Male. Es gab durchaus ein paar sehenswerte Szenen, zum Beispiel als Ziege und Simak synchron auf den Ball zustürmten und traten – der Ball blieb wo er war, nur der arme Erzgebirgler, der als Puffer gedient hatte, rannte panisch davon. Costas motze das Schiriteam filmreif nach einem falsch gegebenen Einwurf an – südländisches Temperament pur, wurde auch prompt mit Gelb belohnt. 20 Minuten vor Schluss eine Ecke, die Simak so trat, dass ich mich kurzzeitig fragte, für welche Mannschaft er spielt – gefolgt von einem dumpfen PLOPP. Das Spielgerät konnte das Grauen nicht mehr mit ansehen und platzte einfach. Offenbar war der Knall auf dem Spielfeld recht laut gewesen, denn der FCC wachte plötzlich auf. Einwechslung Petersen, Ausgleich durch Petersen, nun sind wir mit Brüllen dran: „Hier regiert der FCC!“ Jena drückt, von Aue ist bis auf 3 Einwechslungen nix mehr zu sehen. Eine Ecke nach der anderen, wie immer leider nur drüber, daneben, vorbei, doch dann eine Minute vor Schluss ein Volltreffer: Ein Veilchen erwischt präzise die Beine von unserem Gulasch – mitten im Strafraum. Der 2. Elfer, genau vor meiner Nase – aber diesmal für uns! Ich fordere per Handy Verstärkung an, wir drücken die Daumen so fest es geht – und mein Schwesterchen bekommt so den Siegtreffer quasi live mit. Nun heisst es Nachspielzeit abzittern. Der Schiri pfeift – Aufspringen – nein doch noch kein Schlusspfiff, nur ’ne Gelbe für Ziege, der zum Torknuddeln auf Feld gerannt kam, obwohl er schon ausgewechselt war – weiterzittern – da endlich. Schluss! Sieg! „Nur der FCC!“

WIR HABEN GEWONNEN! Kaum zu fassen. Nach der langweiligen 1. Halbzeit hat damit wohl keiner mehr gerechnet. Auch gut zu wissen, dass wir gegen Spielende noch aufdrehen können, nicht wie letzte Saison, wo wir zu der Zeit quasi schon im konditionellen Koma agierten. Hier geht’s zum Kopfnuss Bericht.
Mein persönlicher Favorit in diesem Spiel war: der Ball. Nachdem er über lange Strecken immer zur falschen Farbe rollte, sah er seinen Fehler doch noch ein und zog die einzig akzeptable Konsequenz: Selbstzerstörung – und machte damit den Weg frei zum Sieg.

Damit zu Teil 2 des Abends: Schnell zur Bahn gehetzt, Kind eingesammelt, mit Klee auf Jusch gewartet und ab nach Erfurt. Die Vorband war schon fertig als wir ankamen – wie ich später erfahre unser Glück, denn sie soll abgrundtief grottig gewesen sein. Der Saal war nur halbvoll, aber Platz ist ja immer gut. Wir postierten uns links vor der Bühne, wie immer. Jede Menge Nebel und miese Akustik, aber wen juckt’s, wir wussten ja wie es klingen und aussehen sollte und außerdem hat der FCC gewonnen. Doch was war das? Das Publikum stand nur rum, maximal den rechten Arm hochgestreckt, und mit dem Kopf im Takt nickend. Keiner der rumhüpft? Da wir mit unseren 1,60 m nicht so den Überblick hatten, boxten wir uns zur Mitte durch. Ich zeig euch mal, was man bei der Größe so von der Band sieht:

Doch auch hier wollte offenbar keiner Spaß haben. Fein, waren Jusch und ich also die einzigen, die rumsprangen. Wir ernteten bitterböse Blicke von den umstehenden Durchschnitts-Kerlen, die Angst hatten, wir könnten die Frisur ihrer Freundin ruinieren. Was dachten die denn, wo sie sind? Beim Musikantenstadl? Seit wann stellt man sich mitten rein wenn man „nur gucken“ will? Wir ließen uns von den Langweilern um uns herum nicht stören und hüpften und sprangen eben fröhlich zu zweit herum. Gegen Ende wurden sogar hinter uns noch ein paar Kerlchen munter und zogen mit. Aber ehrlich gesagt kamen wir uns vor wie im falschen Film. Die Meute um uns herum war wie ferngesteuert. Sobald die Meister auf der Bühne klatschen oder hüpften, machten alle mit… aber auch nur bis zum nächsten Rhythmuswechsel. Dann war wieder maximal Arm ausstrecken und Kopf schütteln angesagt. Den Subways machte das so offensichtlich auch nicht allzuviel Spaß, sie zogen ihr Programm inklusive der obligatorischen 2 Zugaben recht emotionslos durch.

Am Ende warf Simon wie gewöhnlich seine (sogar signierten) Drumsticks ins Publikum, leider war ich gerade irgendwie abgelenkt und glotzte auf den Fußboden… BOING! Gut, dass ich die Brille noch gegen Kontaktlinsen ausgetauscht hatte! Volltreffer, mitten auf’m Kopf. Der Stab klapperte auf den Boden, und geistesgegenwärtig packte ich meinen stahlkappenstiefelbewehrten Fuß drauf. Es gab tatsächlich noch ein paar Todesmutige, die sich trauten, nach dem Stick zu greifen – aber spätestens als ich einen davon, noch im Schmerzrausch, wütend anfauchte, gaben sie sich geschlagen und überließen mir die fette Beute:

Alles in allem also ein ganz netter Tag. Sollte ich öfters machen…

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